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Ikkyo am Naturwunder
Mittwoch, 02. November 2016
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(eine Betrachtung von Robert Hundshammer, Deggendorf)

Aikido verändert dich. Von Grund auf. Es ist überall. Nach vielen Jahren Training kannst du nicht einmal mehr durch den Wald gehen, ohne auf grundlegende Aikido-Prinzipien und Zusammenhänge zu stoßen. Nicht zufällig wählt Shimizu-Sensei immer wieder Beispiele aus der Natur, um die Hintergründe seiner Kunst zu beleuchten. Nicht umsonst bildete der Formationsflug der Kraniche das optische Motto des twa-Weltseminars 2015 - und bei einer eigentlich ganz harmlosen Wanderung im Bayerischen Wald traf ich neulich den Ikkyo omote persönlich.

„Jetzt spinnt er!“, mag der geneigte Leser denken. Doch lest selbst:

Auf einem Bergrücken im Bayerischen Wald nördlich Thurmansbang *) thront seit Jahrmillionen ein Naturwunder: der „Wackelstein“, ein über 50 Tonnen schwerer, majestätischer Felsen aus härtestem Granit. Man könne ihn zum Wackeln bringen, steht im Tourenführer.

Natürlich will ich das sofort wissen! Rohe Manneskraft, Testosteron und so! Und drücke und stemme und … nichts! Der mächtige Felsen bewegt sich keinen Millimeter und meine Begleiterin beginnt schon hämisch zu grinsen.

Ich trete ein paar Schritte zurück, betrachte die Statik und sehe plötzlich den Ikkyo-omote vor mir. Hier! Hier muss es gehen, schräg von unten nach oben …

Kaum drückt meine Hand den mächtigen Felsen, spüre ich, wie er nachgibt, wenige Zentimeter nur, aber immerhin. Ich lasse den Felsen zurückschwingen und drücke stärker, vor und zurück, immer wieder, wie bei einer Schaukel. Die 50 Tonnen wiegen für einen Moment gar nichts. Ein wunderbar leichtes Gefühl. Ich bin glücklich. Ein Gefühl, das ich mit vielen Aikidoka teilen möchte.

Beim Abstieg fällt mir der Ikkyo wieder ein. Das Prinzip ist schon ziemlich ähnlich. An der richtigen Stelle im richtigen Winkel drücken – und schon kippt der kräftigste Partner um. Am falschen Punkt oder im falschen Winkel - und vorbei ist die Gelegenheit.

Der Ikkyo am Felsen war streng genommen einfacher als der auf der Matte. Denn ich konnte den Abstand und den idealen Moment frei wählen. Einem Angriff ausweichen musste ich auch nicht. Aber 50 Tonnen zu bewegen …

Den Lesern viel Spaß beim nächsten Ikkyo!

Robert Hundshammer (der da lebt, wo andere Urlaub machen)

*) www.thurmansbang.de/freizeit/sehenswuerdigkeiten/wackelstein.html