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Drei Monate in Japan
Dienstag, 07. Juni 2016
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von Lorena Fortolis

Vor ungefähr fünf Jahren habe ich eine Aikido-Gruppe in Mexiko übernommen. Um mein Wissen mit anderen teilen zu können, muss ich in allem was ich tue aufmerksamer werden und darf außerdem nie aufhören, weiterzulernen und mich zu verbessern.

Und ganz bestimmt (ich bin mir sicher, dass ich da nicht nur für mich spreche) ist der erste Schritt diese Dinge zu erreichen das Training im Tendokan. So entschloss ich mich, nach Japan zu reisen und etwas länger zu bleiben als ein normales Seminar dauern würde.

Mein Job erlaubt mir einige Freiheiten und Flexibilität, sodass ich einen dreimonatigen Aufenthalt organisieren konnte.

Die ersten Tage widmete ich dem Reisen und um etwas vom japanischen Landleben kennen zu lernen. Das Budo-Training ist vom japanischen Geist erfüllt, deshalb versuchte ich so gut es ging mich abseits der touristischen Pfade zu bewegen. Abschließend kann ich sagen, dass es seine sehr ausgewogene Erfahrung war.

Aber was mich besonders begeistert hat, waren die paar Tage, die ich in der kleinen Stadt Yori Naka verbringen konnte. Ein Ort umgeben von Gemüsefeldern, Obstbäumen und Bergen. Die Bewohner waren die freundlichsten Menschen, denen ich je begegnet bin. Mir wurde immer geholfen. Es gab immer einen Gruß und manchmal sogar eine Süßigkeit. In der Nähe lagen einige Tempel der Shikoku Pilger-Route. Diese Route führt quer über die Insel an 88 Tempeln vorbei und ich habe schließlich auch einen besucht. Es führen zwei Wege dorthin - ein steiler Pfad durch die Berge oder an der Hauptstraße entlang. Um ehrlich zu sein habe ich mich für den Gehsteig entschieden. Auch weil ich dachte, dass es der kürzere und schnellere Weg wäre. Aber es war genau das Gegenteil. Ich denke hier hat auch mein Lernprozess begonnen. Nach vier Stunden Fußmarsch habe ich erkannt, dass noch mehrere Kilometer vor mir liegen. Ich wollte aufgeben. Ich musste mir sagen: Wenn Du hier aufgibst, wird es genauso auf der Tatami sein. So entschloss ich mich zum Weitergehen. Im Tempel angekommen betete ich für die vor mir liegenden Trainingstage. Die meisten Pilger, die ich auf dem steilen felsigen Weg traf waren ältere Leute. Ich spürte große Bewunderung für die Stärke und den Willen dieser Menschen. Und dabei musste ich ständig an den Geist der Japanischen Nation denken, der auch im Aikido zu finden ist. Im Tempel angekommen näherte sich ein Herr, der mir eine Kerze und ein fünf Yen Stück gab. Dieses nutzte ich um für mein Dasein dort zu danken. Danach habe ich nur noch zwei weitere Tempel auf meiner Wanderschaft besucht.

In Tokyo habe ich um Erlaubnis gebeten, vom 22. März bis zum 28. Mai im Tendokan trainieren zu dürfen. Ich nahm mir vor, den Geist der Pilger nachzuahmen und versprach mir kein Training auszulassen. Dabei wurde mir auf verschiedene Art in wirklich netter Weise gezeigt dass meine Anstrengungen anerkannt wurden und das hat mich angespornt mich noch intensiver zu bemühen. Das heißt nicht nur kein Training auszulassen, sondern mich auch voll auf das Training zu konzentrieren. Es war wie in den Bergen. Ich fühlte mich angefeuert durch die Älteren auf dem steilen Weg. Die Mitglieder des Tendokans, die das ganze Jahr über Tag für Tag trainieren, waren ein Beispiel dem ich folgen wollte und das hat mich weitermachen lassen. Ich hege für alle große Bewunderung.

2005 habe ich das Tendokan zum ersten Mal besucht. Dabei hatte ich die volle Unterstützung von Alfredo Corona, der auch den Weg für das Tendoryu Aikido in Mexiko bereitet hat. Derselbe Enthusiasmus ist immer noch allgegenwärtig und die Intensität des Trainings einzigartig. Das Beste am Aikido ist, dass man nie aufhört zu lernen. Es gibt immer etwas Neues, es gibt immer etwas zu verbessern. Im Training gibt es Momente wenn man spürt, dass man alles vergessen und neu beginnen sollte. Beim Neubeginn erfährt man einen Unterschied und schafft neue Verbindungen. Aus ganzem Herzen kann ich sagen, dass jeder einzelne dieser Tage wertvoll für mich war. Das Tendokan ist der beste Platz auf Erden, um Aikido zu lernen. Und Shimizu Sensei ist ein wundervoller Budo-Lehrer. Der Geist von Freude und Güte ist allgegenwärtig, trotzdem spürt man die Schärfe und Formalität des Trainings.

Ich liebe mein Leben in Mexiko, doch war es für mich herzzerreißend, Abschied nehmen zu müssen. Und bevor ich schließe, möchte ich noch ein paar Worte an die Mitglieder des Tendokans richten.

Was war das Wertvollste für mich bei diesen Erfahrungen? An erster Stelle Shimizu Senseis Unterricht und seine Unterweisungen. Ich bin voller Überzeugung, dass wir uns glücklich schätzen können, einen Budo-Meister wie ihn zu haben. Die Stunden mit Wakasensei, Nagai Sensei und den anderen Lehrern haben das ganze Erlebnis bereichert und ergänzt. Und dann war da natürlich die Unterstützung meiner Mitschüler im Tendokan. Ich glaube es ist ein Ort, der den wahren Geist, von dem ich anfangs sprach, der japanischen Nation bewahrt. Anfänger sowie die Fortgeschrittensten waren während dieser Tage meine Lehrer. Sie halfen mir, mich anzustrengen, mich zu verbessern und selbst wenn ich Fehler machte, gaben sie mir nie das Gefühl, dass es nicht verbessert werden kann.

Offensichtlich bin ich etwas enttäuscht, dass ich nicht Japanisch sprechen und verstehen kann. Deshalb habe ich auch viel verpasst. Aber es versuchte jeder mir zu helfen zu verstehen. Ich erkenne das sehr hoch an. Zudem möchte ich besonders Birgit and dieser Stelle danken - ich habe sie sehr auf der Matte vermisst.

Ich habe viele Hausaufgaben mit nach Mexiko zurückgebracht. Zum Beispiel durch den Anfänger-Geist Wachheit und Aufmerksamkeit zu lernen. Es ist wunderbar zu sehen wie eine kleine Geste an Freundlichkeit und Höflichkeit anderen gegenüber alles verändern kann. Außerdem die Aufrichtigkeit beim Training, welche sich als schwierig erweist. Wenn man nachlässig ist werden die Bewegungen mechanisch. Arbeite an der inneren Stärke und verbinde Dich mit Deinen Mit-Trainierenden während des Trainings mit all Deinen Sinnen. Es zeigt sich mir klar, dass Aikido nicht nur Form ist. Es ist etwas anderes. Und dieses etwas andere das Nicht-fassbare und Unsichtbare an dem wir arbeiten ist das was uns vereint.

Du hast einen Freund hier in Mexiko, ein zuhause und natürlich ein Dojo zum Trainieren. Sie sind alle willkommen! Es gibt in Mexiko einen Spruch der dieses ausdrückt: “mi casa es tu casa”.(Mein Haus, ist Dein Haus)

Mir fehlen die Worte mich für alles zu bedanken, für jede Unterweisung im täglichen Training, für ihre Aufmerksamkeit, ihre Freundlichkeit, und für ihre freundliche Aufnahme zu jedem einzelnen Training im Dojo. Sie haben sich um mich gesorgt, geschaut ob ich müde oder verletzt war, gaben mir Medizin und Süßigkeiten. Ich lernte etwas Japanisch von Ihnen. Und dann gibt es die Erinnerungen, die netten Momente bei den Partys aber besonders die während des Trainings. Sie können sich sehr glücklich schätzen, im Tendokan trainieren zu können. Und ich selbst war wirklich glücklich, dass ich dies ein paar wenige Monate mit Ihnen teilen konnte.

Vielen, vielen Dank.