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Mein Monat in Japan
Sonntag, 06. August 2017
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von Johanna Koerner (Herlev/Dänemark)

Dies ist in gewisser Art und Weise mein Dankesschreiben an Shimizu Sensei, Wakasensei, Birgit-san und jede einzelne Person des Tendokans.

Ich möchte sagen meine Reise nach Tokyo hat nicht erst Anfang Mai begonnen. Sie begann mit dem Abschluss von der Highschool im Sommer letzten Jahres. Ich wollte ein Jahr Pause machen, jobben und anschließend reisen. Viele Jugendliche in Europa reisen in meinem Alter (19 Jahre). Und so lag es auf der Hand, mit dem Gedanken zu spielen, diese Reise mit meinem Wunsch mehr Energie und Zeit in Aikido zu stecken, zu verbinden.

Und so wurde die Idee, den Tendokan zu besuchen und die Atmosphäre und Intensität des Trainings zu erleben, im letzten Sommer geboren.

Zum 2.Tendo World Seminar im Oktober 2012 war ich schon einmal in Tokyo. Deshalb dachte ich, ich wüsste schon so ungefähr was für eine Stadt, welche Energie und welche Struktur mich erwartet. Zum Beispiel war es beim ersten Mal ein Schock zu erleben, dass Linksverkehr herrscht :). Auch wusste ich, dass die Japaner möglicherweise etwas scheu seien. Doch der Gedanke daran wie vielleicht die Dänen von Ausländern gesehen werden, bestärkte den Gedanken, dass unsere Gemeinsamkeiten helfen würden, die Hürden zu überwinden.

Außerdem plante ich den Besuch einer japanischen Sprachschule, um mich etwas vertrauter zu machen auch was die Sprachbarriere betrifft. Somit hatte ich schon etliche Vorstellungen, bevor ich überhaupt das Flugzeug auf die andere Seite der Erde bestieg.

Aber als ich dann tatsächlich japanische Erde erreichte, wurde mir schlagartig klar wie weit ich von allem Vertrauten von zuhause weg war. Das Vogelgezwitscher auf den Treppen der Bahnstationen, die Packungsdichte der Passagiere in den Zügen und die winzigen Restaurants und Izakayas in den schmalen Gassen waren eine neue Erfahrung für mich. Doch obwohl alles anders war, hatte ich kein Heimweh oder Angst. Ich fühlte mich lebendig und liebte es, die Dynamik und Beziehungen der Leute auf der Strasse zu beobachten. Offensichtlich verstehen es die Japaner, Vorgänge schnell und problemlos ablaufen zulassen – das betrifft nicht nur das Einsteigen in den Zug zur Rushhour, sondern auch das Einkaufen im Supermarkt und Ähnliches.

Aber ich bin nicht nach Japan um mich nur am Straßenleben zu erfreuen. Ich erinnere mich an das erste Morgentraining, das nach den vielen Stunden Untätigkeit im Flugzeug eine Wohltat war. Auch wurde ich eingeladen, an einer Spezial-stunde für angehende Schauspieler teilzunehmen, die Aikido auf ihrem Lehrplan hatten. Es war auch eine Erleichterung zu sehen, dass selbst Japaner nicht mit grandiosen Aikido-Fähigkeiten geboren werden. Mit einem so hohen Standard, wie ich ihn im Morgentraining erlebte.

Abgesehen davon waren meine fast täglichen Tendokan-Besuche eines der besten Dinge auf meiner Reise. Das Essen war lecker, meine Japanisch-Stunden gut, aber das Aikido-Training und die Leute die zum Tendokan kamen haben meine Reise weit über meine Erwartungen erhoben.

Der veränderte Fokus beim Training und das allgemeine technische Niveau der japanischen Aikidoka waren ein Geschenk. Ein Geschenk das ich nicht erwartet hatte, aber vielleicht innerlich erhofft hatte. Ich denke, dass mit jeder neuen Person mit der man trainiert die Stufe der Wachsamkeit steigt und zwar auf einzigartige Weise, abhängig von der Person der man gegenübersteht.

Alle diese neuen Eindrücke waren ein Geschenk, das ich versucht habe in die Ausführung meiner Techniken aufzunehmen. Und dieser veränderte Sinn von Aufmerksamkeit hat auch zu einer Veränderung meiner Art und Weise in Kopennhagen zu trainieren geführt. Ich hoffe, dass ich dieses Gefühl beim Training mit alten und neuen Freunden der gesamten Tendoryu Aikido Gemeinschaft aufrechterhalten und weiterentwickeln kann

Rückblickend auf den Monat, den ich in Tokyo verbracht habe, denke ich, dass die Zeit schneller vorbeiging als der Japanische Hochgeschwindigkeitszug – Shinkansen – und trotzdem es hätte nichts gegeben das mich darauf vorbereiten hätte können. Mir blieb nur übrig jeden Moment zu genießen und voll da zu sein. Besonders während der letzten Tage habe ich versucht, mich an jedem Augenblick 120% zu erfreuen. Auch war es ein unvergessliches Erlebnis, von Shimizu Sensei zu den heilenden und überaus entspannenden Quellen des Kannon Onsen eingeladen zu werden. (Anmerkung: auf dem Bild mit der Chefin des Kannon Onsen Hotels, Frau Suzuki.)

Zum Schluss möchte ich bemerken, dass diese ganze Reise mir so viel mehr gegeben hat, als ich erwartet hatte. Es war ein grosses Geschenk das ich nicht nur mir selbst gemacht habe, sondern das ich zum grössten Teil von den Leuten, die ich traf erhalten habe. Die Mitglieder des Tendokans waren unglaublich nett, empfingen mich mit offenen Armen und halfen mir auf meinem Aikido Weg (der in keinster Weise gradlinig verlief) und bei den Schwierigkeiten mit der japanischen Sprache. Sie sind es, die meine Reise so gut wie perfekt gemacht haben. Worte reichen nicht aus, um meine Dankbarkeit auszudrücken.

Die japanische Kultur ist auf Respekt (und gutem Essen) gegründet. Ein Aspekt des Lebens den ich in meine kleine Welt hier in Dänemark mehr integrieren möchte. Die Japaner konzentrieren sich auf alltägliche Details und sind stolz darauf das beste aus ihrem Leben zu machen. Besonders wenn es zu Autos kommt – man findet keine dreckigen Autos in Tokyo :)

Tendokan, Tokyo und Japan – vielen herzlichen Dank, - ich vermisse alles und ich werde wiederkommen.